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Frgeattenkapitän zur See

>>You had all these professors, judges and chiefs of police who were old Nazis, and you had to get rid of them, and a certain violence was necessary to clear up the mess.<<

Das ist vollkommener Blödsinn. Oder glaubt jemand allen Ernstes, Enzensberger und seinesgleichen hätten irgendjemanden aus seinem Amt vertreiben können ? Einen solchen Unfug kann dieser geistige Konjunkturritter auch nur ahnungslosen Ausländern auftischen. Die Auseinandersetzungen jener Jahre hatten große Ähnlichkeit mit einem Familienstreit. Sie waren, wie der Publizist Caspar v. Schrenck-Notzing herausgearbeitet hat, im wesentlichen auf das bildungsbürgerlich-protestantisch-nationale Milieu beschränkt, das tief in den Nationalsozialismus verstrickt gewesen war und dessen Vertreter Vergangenheitsbewältigung betrieben aus dem Bestreben heraus, sich selbst und ihresgleichen zu EXKULPIEREN. Schrenck-Notzing im Originalton:

>>Der Zusammenbruch von 1945 hat die Gestalt des heimatlosen Nationalsozialisten geschaffen so wie das Ende der "zweiten Revolution" 1923 die Gestalt des heimatlosen Linken. Der Nationalsozialist hatte sich einer Erweckungsbewegung ("Deutschland erwache !") angeschlossen, die ihn aus der Banalität des politischen Getriebes in den gesteigerten Augenblick des "Tausendjährigen Reiches" hineinführte. Er mußte 1945 auf den Führer, wollte aber nicht auf Steigerung und erhöhte Bedeutung verzichten. Diesem Bedürfnis kommen die grandiosen Panoramen der Tiefenpolitik entgegen. So ist die Bewältigung der Vergangenheit in vielem eine innerparteiliche Auseinandersetzung, in der Teile der ehemaligen NSDAP, die glauben, durch Trauerarbeit und Wandlung neue Ufer erreicht zu haben, auf andere Teile losgehen, in denen sie Verstocktheit und Festhalten am alten Adam wittern. Als Aggressionsziel wählen sie nicht selten Männer, die sich verdächtig machen, weil sie aus einem anderen Erlebniszusammenhang als dem nationalsozialistischen kommen und daher die Reaktionseigentümlichkeiten der NS-Erlebnisgruppe nicht teilen. Diese Männer werden dann post festum zu "Nazis" geschminkt.<<

(aus: Caspar v. Schrenck-Notzing; Zukunftsmacher - Die Neue Linke in Deutschland und ihre Herkunft, Stuttgart 1968, S.163)

William S. Schlamm, der 1958 aus dem US-Exil zurückgekehrte jüdische Ex- und Anti-Kommunist, hat in seinen (auch heute noch lesenswerten) Kommentaren die ESSENZ dieser westdeutschen Vergangenheitsbewältigung der 60er Jahre auf eine griffige Formel gebracht: Ehemalige Nazis werfen ehemaligen Nazis vor, ehemalige Nazis zu sein.

peter

very informative article, thanks for the tip! the guardian is truly a qualitätszeitung!

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